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devcon

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Samstag, 31. Mai 2014, 14:18

Hermann Hesse - Siddhartha


(Links: signierte und limitierte Vorzugsausgabe 1922, Rechts: Hermann Hesse)

Hesse hat Siddhartha zwischen 1919 und 1922 in der Schweiz geschrieben. Es ist eine indische Dichtung und erzählt das Leben des Siddhartha Gautama aus Sicht von Hermann Hesse. Das Buch ist chronologisch in 10 Kapitel aufgeteilt, jedes enthält einen wichtigen Lebensabschnitt Siddharthas. Hesse schmückt in dem Buch die spärlichen faktischen Überlieferungen von Siddharthas Leben aus, bleibt aber stets nahe beim Buddhismus und dem überlieferten asketischen Leben.

Der echte Siddhartha Buddha:

Siddhartha Gautama lebte von 563 v. Chr. bis 483 v. Chr. in Indien und lehrte dort als Buddha. Eine kleine Begriffsklärung: der Buddha ist weder eine Person, noch ein Titel. Die deutsche Wikipedia beschreibt einen Buddha sehr akademisch aber auch präzise:

Zitat

Im Buddhismus versteht man unter einem Buddha ein Wesen, welches aus eigener Kraft die Reinheit und Vollkommenheit seines Geistes erreicht und somit eine grenzenlose Entfaltung aller in ihm vorhandenen Potenziale erlangt hat: vollkommene Weisheit (Prajna) und unendliches, gleichwohl distanziertes Mitgefühl (Karuna) mit allem Lebendigen. Er hat bereits zu Lebzeiten Nirvana verwirklicht und ist damit nach buddhistischer Überzeugung nicht mehr an den Kreislauf der Reinkarnation (Samsara) gebunden.


Hesses Siddhartha Buddha:

Der junge Siddhartha lebt im 6. Jahrhundert v. Chr. bei seiner Familie als Sohn eines Brahmanen (hohen geistigen Gelehrten). Schon früh kam er mit den Weisen und Gelehrten in Kontakt und war wie sie auf der Suche nach Atman. (Salopp gesagt ist Atman die einzigartige Seele, die nach der damaligen indischen Philosophie in jedem von uns wohnt.) Siddhartha entwickelte Zweifel am Nutzen der Lehren, Rituale, Waschungen, Gebete, Die die Bramahnen täglich vollziehen:

Zitat von »Siddhartha, Erster Teil: Der Sohn des Brahmanen«


Siddhartha hatte begonnen, Unzufriedenheit in sich zu nähren, Er hatte begonnen zu fühlen, daß die Liebe seines Vaters, und die Liebe seiner Mutter, und auch die Liebe seines Freundes, Govindas, nicht immer und für alle Zeit ihn beglücken, ihn stillen, ihn sättigen, ihm genügen werde. Er hatte begonnen zu ahnen, daß sein ehrwürdiger Vater und seine anderen Lehrer, daß die weisen Brahmanen ihm von ihrer Weisheit das meiste und beste schon mitgeteilt, daß sie ihre Fülle schon in sein wartendes Gefäß gegossen hätten, und das Gefäß war nicht voll, der Geist war nicht begnügt, die Seele war nicht ruhig, das Herz nicht gestillt.
Die Waschungen waren gut, aber sie waren Wasser, sie wuschen nicht Sünde ab, sie heilten nicht Geistesdurst, sie lösten nicht Herzensangst.
Vortrefflich waren die Opfer und die Anrufung der Götter aber war dies alles? Gaben die Opfer Glück? Und wie war das mit den Göttern? War es wirklich Prajapati, der die Welt erschaffen hat? War es nicht der Atman, Er, der Einzige, der Alleine? Waren nicht die Götter Gestaltungen, erschaffen wie ich und du, der Zeit Untertan, vergänglich? War es also gut, war es richtig, war es ein sinnvolles und höchstes Tun, den Göttern zu opfern? Wem anders war zu opfern, wem anders war Verehrung darzubringen als Ihm, dem Einzigen, dem Atman?
Und wo war Atman zu finden, wo wohnte Er, wo schlug Sein ewiges Herz, wo anders als im eigenen Ich, im Innersten, im Unzerstörbaren, das ein jeder in sich trug? Aber wo, wo war dies Ich, dies Innerste, dies Letzte? Es war nicht Fleisch und Bein, es war nicht Denken noch Bewußtsein, so lehrten die Weisesten. Wo, wo also war es? Dorthin zu dringen, zum Ich, zu mir, zum Atman, gab es einen andern Weg, den zu suchen sich lohnte? Ach, und niemand zeigte diesen Weg, niemand wußte ihn, nicht der Vater, nicht die Lehrer und Weisen, nicht die heiligen Opfergesänge! Alles wußten sie, die Brahmanen und ihre heiligen Bücher, alles wußten sie, um alles hatten sie sich gekümmert und um mehr als alles, die Erschaffung der Welt, das Entstehen der Rede, der Speise, des Einatmens, des Ausatmens, die Ordnungen der Sinne, die Taten der Götter unendlich vieles wußten sie -- aber war es wertvoll, dies alles zu wissen, wenn man das Eine und Einzige nicht wußte, das Wichtigste, das allein Wichtige?


Warum mir dieses Buch so sehr gefallen hat:

Währendes Lesens des Buches breitet sich eine angenehme Ruhe aus, 20 Seiten haben den seelischen Effekt von wenigstens 3 Schachteln Baldriparan. Ich vermute es liegt daran, dass der Zweifel an sich selbst im Grunde kein beruhigendes Gefühl ist aber das Wissen was das Buch vermittelt, dass man selbst damit nicht sonderbar oder auf Abwegen ist und der Weg ein sehr schöner sein Kann, breitet diese innere Ruhe aus.

Das Buch ist keine Anleitung zur Selbstfindung oder eine Predigt, Hesse gibt keinen Weg vor oder sagt "das ist Richtig oder das ist Falsch" sondern erzählt lediglich den Lebensweg eines Menschen.

Wer es zulässt, sich von Hesse und dem Buddhismus ein wenig leiten zu lassen, sollte das Buch alle paar Jahre lesen. Ich habe jetzt das 2. mal begonnen es zu lesen und schon auf den ersten 40 Seiten Neues entdeckt, was mir beim ersten Mal nicht auffiel oder ich anders interpretiert habe.

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Samara (02.06.2014), Paytah (06.01.2015)