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Freitag, 17. Juli 2015, 16:29

[Film] Unknown User



Auf Rachefeldzug im Internet

Im Horrorthriller Unknown User, der am morgigen Donnerstag hierzulande startet, erleben Zuschauer den Film aus der Sicht der sechs jugendlichen Darsteller. Sie müssen in einem Videochat das grausame Spiel eines Unbekannten durchleben. Ein authentisches und bedrohliches Werk über die digitale Welt.

Die Bilder sind meist etwas verwackelt, wirken aber sehr authentisch: Sogenanntes Found Footage, also gefundenes Filmmaterial, soll gerade in Horrorthrillern dafür sorgen, dass die Ereignisse auf der Leinwand als real und damit besonders gruselig empfunden werden. Populär wurde diese Art des Drehens vor einigen Jahren mit dem Film Blair Witch Project. Daran knüpft jetzt auch Unknown User an - und macht das digitale Zeitalter zum Thema des Genres.

Die Kinoleinwand verwandelt sich dabei in einen Computer-Bildschirm, auf dem man den Videochat zwischen Freunden verfolgt. Die Zuschauer sind so mittendrin, als sich eine unbekannte Person in die Online-Unterhaltung einmischt, um sich an den Freunden für den Tod einer Mitschülerin zu rächen.

Zunächst glauben die sechs Freunde noch, dass sie es mit einer Systemstörung zu tun haben, als ein siebter Teilnehmer namens Billie227 in ihrem Chat erscheint. Doch dann fällt ihnen auf, dass er den Zugang ihrer Mitschülerin Laura benutzt, die sich auf den Tag genau vor einem Jahr das Leben genommen hat. Ein beschämendes Video, das im Internet verbreitet wurde, hatte sie damals zu dieser Entscheidung getrieben. Spielt ihnen da jemand einen grausamen Streich oder sucht Lauras Geist sie heim?

Der Verlust der Anonymität

Panik bricht unter den Freunden aus, als der Unbekannte ihnen schreibt: Wer den Chat verlässt oder seine Fragen nicht wahrheitsgemäß beantwortet, wird sterben. Das Spiel beginnt - und zwingt die Freunde dazu, sich mit ihren Lügen und Geheimnissen auseinanderzusetzen. Durch die Konfrontation mit Billie227 verlieren sie ihre Anonymität, die sie im Internet sonst immer geschützt und stark gemacht hat.

Es sind die unmittelbaren und authentischen Reaktionen zwischen den Schauspielern, die dem Zuschauer quasi in Echtzeit an ihrem Grauen teilnehmen lässt: Panisches Stimmengewirr, entsetzte Mienen und verzweifelte Blicke werden durch Nahaufnahmen und manch ein verwackeltes Bild oder Tonfehler noch authentischer. Um das zu erreichen, haben die Schauspieler viel improvisiert. Über einen Knopf im Ohr beeinflussten Drehbuchautor Nelson Greaves (Sleepy Hollow) und Regisseur Levan Gabriadze (Lucky Trouble) die Handlung.

Videochat der Angst

Die Zuschauer sehen diese hauptsächlich aus der Perspektive von Blaire: Sie verfolgen Blaires Cursorbewegungen über den Bildschirm, beobachten, was sie in den Chatroom schreibt und was sie wieder löscht. Man nimmt an ihren Gedankengängen teil - die Stille, die dabei herrscht, wird nur vom Klappern der Tastatur unterbrochen. Immer wieder bekommt man das Gefühl, selber in die Tastatur zu tippen und an dem Videochat teilzunehmen, man fühlt die Angst der Freunde vor dem Ungewissen.

Die Macher von Unknown User nutzen es gekonnt aus, dass die Zuschauer selbst auch im Internet unterwegs sind und wissen, welche Gefahren dort lauern können. In Unknown User werden sie für anderthalb Stunden auf grausamste Weise real.

Produzent Timur Bekmanbetov, der sein Hollywood-Debüt 2008 mit dem Actionthriller Wanted gefeiert hat, wollte schon lange einen Film über das Leben des Menschen in der digitalen Welt machen, wie er erzählt. Mit Unknown User ist es ihm gelungen, ihre Abgründe bedrohlich in Szene zu setzen.

Unknown User startet in Deutschland am 16. Juli 2015.


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